Die Fachfrau

Ich bin eine Fachfrau. Oder man könnte auch sagen eine „Frau vom Fach“: Ich verstaue gerne Sachen in Fächern. Glücklicherweise versetzt mich mein Beruf als Bibliothekarin in den Stand, dieser Leidenschaft regelmäßig auch in der Arbeitswelt nachzugeben. Und die passende Gerätschaft dazu fällt in seltenen Glücksfällen auch noch dabei ab..

Die Wechselfälle des Schicksals haben schon die verschiedensten Zettelkästen in meinen Privatbesitz gespielt (meistens weil die ursprünglichen Besitzer sich von Ihnen platzeshalber trennen mussten oder wollten, und ich zur richtigen Zeit am rechten Ort war). Heute verwende ich diese in die Jahre gekommenen Karten-Container um verschiedene Haushaltsgegenstände darin aufzubewahren, Gummiringe, Stifte, Knöpfe, Werkzeug und vieles andere mehr. Auf einer altmodischen Schreibmaschine hat der beste Ehemann von allen dann noch kleine Beschriftungen für alle enthaltenen Warengruppen erstellt.

Aus dem ehemaligen Haushalt meiner Großmutter erbte ich kürzlich eine schöne Holztruhe auf vier Füßen, die ehemals als Hausbar hätte dienen können. Auf beiden Seiten kann man Fächer aufklappen, und was dazumal gedacht war um die Whiskey- und Likörflaschen einzureihen, gibt heute Platz für meine Wollbestände. Da Wolle schlussendlich auch eine Art Suchmittel ist passt dieser Konnex ganz gut.
Diese Art von Hausbar war früher sehr beliebt, einige findige Designer aus der Bauhaus-Epoche haben sich um das Genre „Hausbar“ verdient gemacht. Die berühmteste stammt vom Schweizer Architekten Alfred Roth, es ist eine Schubkarre namens Die Kleinbar, die transportabel von Zimmer zu Zimmer gerollt werden kann. Sie spielt eine wichtige Rolle in Martin Suters Roman Der letzte Weynfeldt.