Juppowerkstatt II

Wie ich mir selbst mit Superkleber und Isolierband meine eigene Variante der Bregenzerwälder Tracht bastelte. Lesen Sie hier wie die Idee entstand.

Der blaue Streifen

Bei meinem Projekt „Alltagskleid mit Juppenelementen“ schwebte mir natürlich das ursprüngliche Design der echten Juppe vor, aber mit einem kürzeren Rock, und einem Oberteil das zwar Bluse und ein Mieder beinhalten sollte, aber in einer kurzärmeligen, sommerlicheren Variante. Ich wollte, dass die einzelnen Teile der Juppe noch erkennbar sind, man aber genauer hinschauen muss, um sicher zu sein, mit was man es hier zu tun hat.

Das wichtigste war mir der blaue Streifen – er ist DAS Erkennungsmerkmal der Juppe und weithin sichtbar. Nur, wie sollte ich den blauen Streifen in den Stoff bekommen? Inzwischen habe ich gelernt, dass in Wirklichkeit der blaue Streifen eine Art Ziernaht ist, die aufgenäht wird, und der Stoff erst im Nachhinein gefältelt (plissiert) wird. In Wien gibt es angeblich noch eine einzelne Dame, die in eigener kleiner Werkstatt Stoffe in Falten bringt. Um es abzukürzen – das war mir natürlich mal wieder zu umständlich, und Falten bekam ich höchstens auf der Stirn, beim Nachdenken nämlich. Gelandet bin ich schlussendlich bei gutem alten Isolierband, das es im Baumarkt in verschiedenen Farben gibt. Damit habe ich den Streifen einfach auf einen gekauften schwarzen Faltenrock aufgeklebt. Keine waschmaschinenfeste, seriöse Lösung, aber für den Anfang ausreichend.

Die Idee eines Mieders

Eine echte Juppe braucht auch ein Mieder, von welchem der „Bleatz“, ein bestickter Schmuckbesatz, umschlossen wird. Wenn Sie schon bis hierher schockiert waren und in Textilfragen zart besaitet sind, sollten Sie jetzt besser weglesen: Mein(e) Mieder habe ich mir zusammengeschnitten, und zwar aus einer Jogginghose, die ich bei Lidl gekauft und in Streifen geschnitten habe. Die einzelnen schwarzen Samtstreifen habe ich mit Textilkleber zusammengefügt, und mit Glitzernagellack, Deckweiss und Goldschmuck verziert (an den Details arbeite ich noch). Für den Aufdruck eines Margeriten-Musters habe ich eine Stoffblume von der Taufe unserer Tochter verwendet (quasi als Hauswappen), kurzfristig habe ich auch einmal über Kartoffeldruck und andere Textildruckverfahren nachgedacht. Im Endeffekt werde ich voraussichtlich eine Freundin bitten mir ein abstraktes Wäldermieder inklusive Bleatz zu zeichnen und in einen Siebdruck umzuwandeln, da das am ehesten meiner Vorstellung entspricht.

Ein heikles Thema: Die Rocklänge

Das elegante an der Juppe ist ja der bodenlange Rock: Gemäß der Formel: Viel Stoff>>Wohlstand>>Wirtschaftlich gute Zeiten. Ihn auf eine (alltagstaugliche Länge) zurechtzustutzen war also ein heikles Unterfangen, zu Recht werden gestandene Juppenträgerinnen wohl bemängeln, dass das Ergebnis „bschnotta“, also beschnitten, unanständig kurz und sparsam im Stoff ausfällt. Hier musste also ein Kompromiss zwischen Tragbarkeit und Tradition eingegangen werden.

Zwischenprojekt T-Shirt

Als Zwischenstufe zu meiner Annäherung an den „Bleatz“ (meiner Meinung nach die einzig richtige Schreibung, auch wenn Wikipedia anderes behauptet), habe ich T-Shirts drucken lassen. Von meiner Mutter ließ ich mir dafür den Original-Bleatz, „üseren“ Familien-Bleatz sozusagen, abfotografieren. Die T-Shirts haben einen gewissen Charme, gerieten insgesamt aber vom Bildausschnitt her zu groß und entsprachen zumindest im ersten Anlauf nicht meiner Vorstellung, sodass sie als Parallelprodukt zu einem etwaigen Kleid derweilen als Einzelteil bestehen.

Puffärmel

Experimentiert habe ich dann noch mit einer Auswahl im Handel gekaufter Oberteile, mit verschiedenen Varianten von Puffärmeln. Die vornehmsten haben an der Stelle, an der bei der Juppe der Bleatz sitzt eine Aussparung mit Spitze (sodass sozusagen das Herz der Frau oder vielmehr die Haut im Dekolleté der natürliche Schmuck ist). Diese Idee gefiel mir auch sehr gut, aber die Anklänge an die Tracht sind hier nur noch sehr vage.

Alle Zwischenschritte der Ideen-Entwicklung aufzulisten (zumal sie sich auch laufend noch ändert) würde hier zu weit führen. Aber ich denke es ist zum Ausdruck gekommen, dass ich kein Wagnis und keine modischen Grenzgänge scheute, um meiner Idee näher zu kommen. Das vorläufige Ergebnis der Bemühungen habe ich hier fotografiert:
Wäldare at heart.

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