
Ich habe mir selbst mit Isolierband, UHU Alleskleber und viel Mut zur Improvisation meine eigene alltagstaugliche Interpretation der Bregenzerwälder Juppe erschaffen. Mein Mann, der all meinen Wahnsinn unterstützt hat Fotos davon gemacht, und meine Mutter hat mich beraten (obwohl ihr teilweise wohl die Haare zu Berge standen). Unter dem Motto „Wäldare at heart“ habe ich Eindrücke von den bisherigen Ergebnissen zusammengefasst.




Zum vorläufigen Abschluss meiner Juppenserie haben wir ein Fotos im abendlichen Augarten gemacht, inklusive Umziehen im Freien und Kleinkind im Gepäck. It was fun.

An diesem Bild oben ist so ziemlich alles Betrug: Der Garten, über den der müde Blick schweift – nicht meiner, sondern der Augarten. Das Gartengerät, auf das sich die müde Gärtnerin stützt – nur ein leerer Besenstil ohne Bürste. Und auch die Wälderin und die Juppe sind, wie aufgeführt, nur zur Hälfte echt;) It’s all about the Inszenierung.
Das mitunter Schöne an Trachten, jedenfalls meinem Verständnis davon, ist dass sie sich über Jahrhunderte hinweg in einem dynamischen Prozess auch immer verändert und entwickelt haben, sich dem Alltag angepasst haben. Das bedingt, dass es auch verspielt sein darf, und man Dinge ausprobieren kann, die sich abseits dem etwas konservativen und verstaubten Klischee bewegen, das man von Tracht hat.








Das Projekt ist an dieser Stelle nicht beendet. Im Augenblick arbeite ich an einem Bleatz. Mein Traum wäre ein aufgebügeltes Klettband mit einem „mobilen“ Bleatz, den ich flexibel auf verschiedene Oberteile wechseln könnte. Mit den entstandenen Prototypen (einem Rotmieder und einem Schwarzmieder mit jeweils zwei unterschiedlichen Rocklängen), kann ich jedenfalls weitere Ideen spinnen, was ein Glück gibt es in meinem Freundes- und Verwandtenkreis auch einige begabte Näherinnen, die mich beraten oder eventuell sogar anhand dem entstandenen Modell weiterdenken könnten. Eine Freundin von mir ist sogar Textilrestauratorin geworden, eine andere ehemalige Schulkollegin hat sich mit einem Unternehmen selbstständig gemacht, und fertigt mit verschiedenen Druckverfahren Aufdrucke und Beschriftungen, es heißt Plotternaht, bzw. „Plott und Paste“.
Ich denke, ich werde beide Damen in nächster Zeit behelligen, und meine Idee der Alltagsjuppe weiter spinnen..:)

*Livia Neutsch ist Bibliothekarin in Wien, hat Wurzeln in Bezau im Bregenzerwald und einen Faible für textile Experimente.
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