Juppe reloaded

Gemeinsam mit meiner Mutter habe ich meine Idee von einem Kleid weiter betrieben, das die wesentlichen Teile der Juppe aufgreift und sich trotzdem im Sommer gut tragen lässt. Ein erster Prototyp fiel gelungen aus. Und das, obwohl ich gar nicht nähen kann...

Welcome to my little Juppe world!

Was bis hierhin durch meine Juppen-Experimente entstanden ist macht mich sehr glücklich: Ich wollte ein Kleid schaffen, das auf eindeutige, vielleicht etwas plakative und trashige Art an die Juppe erinnert, so ungefähr wie wenn man ein Stück von einer Melodie pfeift und alle gleich sagen: „Moment mal, das kenn ich doch!“ Der blaue Streifen im unteren Teil und der Bleatz im oberen fungieren dabei als modische Zitate, die man leicht erkennen kann – sie beschwören das Bild der „echten“ Bregenzerwälder Juppe herauf und sagen gleichzeitig doch: „Ich bins, aber ich bins nicht in echt, ich tu nur ein bisserl so als ob..“. Mit diesen etwas kecken und verspielten Interpretationen sind für mich Wälderin und Juppe in der Gegenwart angekommen..

Projekt BLEATZ

Dieser Blog handelt ja vom Dilettantismus, und wie man damit sehr glücklich werden kann. Insofern wird es Sie an dieser Stelle nicht erstaunen, dass ich nicht nur NICHT nähen kann, ich kann auch NICHT sticken.

Die eigentliche Herausforderung an meinem Juppenprojekt stand ja noch aus: Ich wollte versuchen selbst einen „Bleatz“ zu fertigen. Der Bleatz (auch wenn Wikipedia das anders schreibt) ist ein bestickter Schmuckbesatz, meistens werden Goldfäden eingewoben. Er sitzt auf dem Mieder der Frau, ich würde fast sagen: dort wo das Herz ist, relativ hoch jedenfalls, und macht im oberen Teil des Kleides das wesentliche Kernstück aus. Man könnte sagen: Der Bleatz ist das eigentliche Highlight der Juppe.

Für meinen Bleatz habe ich verschiedene Zeilen von Geschenkbändern übereinander aufgeklebt, und diese dann mit einem Netz aus goldenen Fäden fixiert. An dieser Stelle habe ich tatsächlich etwas sticken müssen, damit das Ganze gut zusammenhält.

Meinen gefertigten Bleatz habe ich mit einem roten Filzstück umgeben (diese gibt es günstig in allen Farben zu kaufen) und eine Borte aus schwarzem Samt drum herum geklebt. Der Textilkleber war also auch in diesen Phasen noch mein zuverlässiger Freund, aber: Damit ein fertiger Bleatz entsteht hat meine Mutter anschließend das Ganze eingefasst und auf ein rotes Stoffstück genäht, wobei der Stoff „gestürzt“ wurde. Ich muss das hier erwähnen, weil mir inzwischen so genau erklärt wurde, warum das wichtig ist. Kurz gesagt umnäht man die Aussenkanten zweier aufeinander liegender Stoffschichten und lässt dabei einen Rand, und dann macht man etwas, was der moderne Mensch nur aus der Psychotherapie kennt: Man kehrt sein Innerstes nach außen. Also jedenfalls: Stürzen, tolle Sache! Was entstanden ist ähnelte dann also technisch einer Art Stofftasche, die man in jedes Mieder einfüllen kann, ungefähr so wie eine Folie, die man zwischen zwei Glasscheiben klemmt, und das ist beim echten Bleatz ja auch so ähnlich.

Ein Bleatz zum Wechseln

Der absolute Game Changer waren dann noch Klettbänder zum Aufkleben: Weil der erste Entwurf vom Bleatz gleich so schön geraten ist, wollte ich eine alte Idee wieder aufgreifen und den Bleatz zum Wechseln auf verschiedene Kleider machen. Das ist unter anderem deswegen von Vorteil, weil der bestickte Teil mit dem Filz ja auch gar nicht waschmaschinentauglich ist, die Bluse darunter aber sehr wohl. Dafür habe ich Klettband bestellt und auf der Rückseite vom Bleatz sowie auf der Bluse aufgeklebt. Fertig war der Wechsel-Bleatz! Unten gibt es zur Abrundung ein Video davon.

Gleich zwei „Jüpplare“ im oberen Bild, links am Rand eines der genialen Juppenfrauen-Bilder von Ulrike Maria Kleber, von denen auch ich einige besitze – eine meiner wichtigsten Inspirationen.


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