


Im Sommer habe ich versucht mir mit Textilkleber und viel Experimentierfreude eine eigene Version der Wälder Tracht zu erschaffen. Dann kam der Herbst, und nachdem mir meine Mutter als schneiderische Beraterin und Komplizin nur noch über die Distanz zur Verfügung stand, tat ich eben das, was viele Künstler in der Verzweiflung tun: Ich verkleinerte mich notgedrungen in der Form. Inzwischen fertige ich mit einigem Humor individuelle Anziehpüppchen mit Bregenzerwälder Accessoires, Weihnachtsschmuck und Schlüsselanhänger. Mit etwas Stolz kann ich mich mittlerweile als verrückte Puppenmacherin bezeichnen...



Zugegeben, die ersten Versuche gerieten etwas gruselig. Bald aber schon entwickelten meine Püppchen eigene Persönlichkeiten.
Lisl, Rosa und Mikatrin
Die erste Puppe, die ich machte, war Lisl. Eine freche kleine Wälderin, mit ausdrucksvollen Augen, die ihr etwas Alien-haftes verliehen, und einer etwas stürmischen Zopffrisur. Sie sah aus, wie eine kleine Amazone. In die korrekte Nachbildung der Bregenzerwälder Zopffrisur habe ich später noch viel Gedanken verwandt.

Zu meinem Prototyp „Lisl“ gesellten sich dann noch die etwas grobschlächtige „Mikatrin“ (Bregenzerwälderische Kurzform für Maria Katharina), und die tugendhafte Rosa, natürlich im Hochzeitskleid. Mikatrin ähnelt laut meiner Schwiegermutter der Volksschauspielerin Annie Rosar.
Für die Braut in weißer Juppe versuchte ich mich dann auch an einem „Schappale“ und umhäkelte zunächst mit Goldfaden einen Sektkorken – in diesem Zusammenhang lernte ich was eine Agraffe ist. Die entstandene Krone geriet zu groß – die Puppe sah aus wie eine mongolische Kriegerprinzessin, also verlegte ich mich aufs Häkeln des Schappale ohne Gerüst, quasi freihändig, was etwas Übung erfordert aber im Prinzip meistens ganz gut gelang.




Verschiedene Wälderfrisuren – eine eigene Kunst





Mariella
Für meinen Vater fertigte ich zum Geburtstag schließlich eine kleine Puppe mit kompletter Kleider-Ausstattung, die ich als mein bisheriges Meisterstück bezeichnen würde – Mariella.
Sie kommt mit einem praktischen, alltagstauglichen „Schāohuat“, aber ich habe ihr – ganz nach dem Vorbild der Anzieh-Puppen der 50er Jahre – ein komplettes Set zusammengestellt, das auch eine „Spitzkappa“ und ein Dreieckstuch beinhaltet, falls sie mal ganz als anständige Dame in die Kirche gehen will. Dieses Dreieckstuch, manchmal mit Fransen, nennt man im Bregenzerwald den „Schal“. Auch ein „Schappale“ hat die kleine Puppe im Gepäck, für den Fall dass sie sich doch noch mal entschließen sollte zu heiraten und einen ihrer zahlreichen Verehrer zu erhören.. Ich glaube ja, sie verdreht allen Männern im Dorf den Kopf.. Man munkelt, dass sie auf dem Berg auf dem sie wohnt teuflische Rituale feiert, zu denen sie die Jünglinge aus dem Dorf einlädt.

Inzwischen sind die Wälderinnen in unserer ganzen Wohnung eingezogen – aus jeder Ecke taumeln sie einem entgegen – ich stelle sie auf Eierbecher und hänge sie an Türknäufe und Kleiderhaken, wo ich ihnen feine Gesichter zeichne, und zierliche Flechtfrisuren mache. Sie sind wie eine Armee, die ständig wächst, und obwohl ich zu Weihnachten einige versandt habe, ist ihre Zahl nur unbedeutend geschrumpft.


Gruppenbild mit Wälderin



Zuletzt habe ich verschiedene Überlegungen angestellt, wie ich gute Kombinationen von Püppchen zu einem Mobile fassen könnte, und dabei die Bregenzerwälder Schindel als Aufhängung dienen könnte. Ich denke immer, ich hätte mich am Thema Juppe nun langsam genug abgearbeitet – aber mir fallen stets neue Formen ein, wie ich mich an das Thema Wälderin annähern könnte..:) Die Tracht lässt mich einfach nicht los.






