Khörig si

Khörig sein, oder auch ghörig, ist eines der obersten Lebensprinzipien der Vorarlberger, Kelsen hätte vermutlich gesagt, die Vorarlberger Grundnorm. Ich schreibe das Wort grundsätzlich mit K, weil man es so spricht, was Nicht-Vorarlberger etwas vom Ursprung des Wortes GEHÖRIG ablenken könnte.

Dinge, die khörig sind, gelten als sittlich, moralisch anständig, ordentlich, angemessen, richtig und den lokalen Gepflogenheiten entsprechend. In einem weiteren Sinne wird es auch als Größenmaß („a khörige Portion Speck“), Längenmaß („a khörigs Stuck bis Schoppernau“) und Gradmesser für Stabilität und Verfestigtheit einer Sache („a ghörige Wand/Hütte/Straße“) verwendet. Fernere Verwandtschaft im Gebrauch sehe ich tatsächlich beim Wort zünftig („a zünftige/khörige Lederhose“, a „zünftige/khörige Feier“ oder auch „a zünftige/khörige Watsche“), das auch mit fachgerecht, fachgemäß übersetzt wird.

Was ist, und wie wird man khörig?

  • Tua wia d Lüt, denn goht am wia dLüt
    (Mach es wie die anderen Leute, dann geht es dir ebenso, oder auch „When in Rome, do as the Romans do!“).
  • Höre auf dine Mama. D Mama woaß allat was ghörig isch.

Kann man auch als Nicht-Vorarlberger khörig werden, quasi „Khörig h.c.“?
Nun ja, über diese Frage streiten sich die Schulen. Sagen wir, durch lange, bemühte Übung vielleicht.

Khörige Kässpätzle

Erinnerungsstücke

Dieses Kleid stammt von meiner Oma, die vor Kurzem im 94. Lebensjahr verstorben ist. Zu Ostern habe ich es getragen und mich sehr daran gefreut. Das Kleid hat sie ziemlich sicher auf einer ihrer Reisen gekauft; mein Großvater war Archäologe und sie hat ihn auf fast allen seiner Reisen und Ausgrabungen begleitet. Das Kleid stammt vermutlich aus Griechenland, eventuell auch aus Italien und vom Stil her könnte sie das in den 70er Jahren gekauft haben, eventuell aber schon viel früher in den 50ern; genau wissen wir es nicht. Es gab aber dort zu beiden Zeiten in diesen Ländern solche Kleider, es gibt sie teilweise auch heute immer mal wieder.

Was abseits des Stils fasziniert: Diese Sackkleider, die in den 50ern so richtig aufgekommen sind; man fragt sich ja schon ein bisschen, wie die Frauen das früher gemacht haben.

Selbst bei sehr schlanker Figur muss man ausgesprochen diszipliniert den Bauch einziehen, um nicht selbst wie ein Sack auszusehen, das Kleid arbeitet da sozusagen gegen einen, und das ist noch sehr höflich ausgedrückt.
Es zeigt sich: Man muss wirklich KERZENgrade dastehen, wenn man so etwas anhat. Vielleicht aber war es den Frauen damals einfach gleichgültig, dass das der Figur nicht gerade schmeichelt, sie hatten vielleicht Wichtigeres zu tun, legten mehr Wert auf Bequemlichkeit (denn bequem sind diese Kleider wie nur was), oder es waren Kleider mit diesem Schnitt einfach gebräuchlicher im Alltag.
Ein schöner und etwas rätselhafter Fund jedenfalls, ich freue mich dass ich das Kleid in meinem Schrank habe, deswegen wollte ich auch kurz etwas dazu schreiben.
MODE aus anderen ZEITEN

Wälderschmäalg

# WÄLDER SCHMÄALG. Anfang des Jahres war ich zum ersten Mal am Vorarlberger Ball in Wien, und der Bregenzerwald war Gastland. Ich hatte davor lange überlegt, ob ich versuchen sollte in der echten Bregenzerwälder Tracht auf den Ball zu gehen, denn die Möglichkeit hätte bestanden: Tatsächlich gibt es in meiner Familie eine Juppe, die wir aus einer langen weiblichen Ahninnenkette geerbt haben. Allerdings ist diese aus echtem Juppenstoff, und nicht aus dem heute viel pflegeleichteren und bequemeren Trevira. Eine solche „echte“ Juppe zu tragen ist harte Arbeit: es ist kalt, unbequem und erfordert ungeheure Transportmühe und Pflege im vor- und nachhinein. Aus diesem Grund wurde es bei mir ein klassisches Ballkleid, zumal das Tragen der Juppe bei einer nicht mehr im Bregenzerwald wohnenden Frau ohnehin als nicht ganz „cultural appropriate“ gelten würde, es wäre nicht „ghörig“ gewesen. Kleinere Anklänge an die Bregenzerwälder Zopffrisur hatte ich aber probiert zu machen, was im Endeffekt auch ganz gut gelungen ist.